Aspekte des Release-Begriffs: SW- oder Produkt-Releases?

Ein Anlass für diesen Blog ist die Feststellung, dass sich auch das produzierende Gewerbe zunehmend mit Produkten auseinandersetzen muss, die Software [SW] und elektronische Bauteilen als essentielle Komponenten beinhalten. Innovative Produkte sind zunehmend „intelligente“ Produkte, die sich vernetzen und mit Diensten im Internet interagieren. Das ist eine Feststellung und keine Bewertung. Leute, die mich kennen, wissen, dass ich diese Entwicklung durchaus mit Sorge betrachte – vor allem, weil kein gesellschaftlicher Dialog über die Konsequenzen geführt wird. Aber das ist nicht Thema dieses Blogs :-).

Das bedeutet, dass Produktentwicklung und Produkt-Innovation immer SW-lastiger werden wird. Diese Entwicklung gilt natürlich auch für ein ganzes Spektrum an Dienstleistungen. Gerade mittelständische Unternehmen und auch der öffentliche Dienst müssen lernen, Produkt-Entwicklung in Zukunft auch als IT- und im speziellen SW-Entwicklung zu begreifen. Mit der Konsequenz, dass ein kluges „Alignment of Product- and IT-Management“, also ein reibungsloses Ineinandergreifen von IT- und Produktsteuerung, erforderlich wird.

Nimmt man aber ein Verschmelzen von Produkt- und IT-Management als Herausforderung ernst, so fragt man sich, wieso der Release-Begriff in vielen IT-Frameworks eigentlich so extrem und spezifisch auf IT-Systeme und im besonderen SW heruntergebrochen wird. Vielfach reduziert sich der Begriff auf „SW-Release(s)“ – und auch das „Release-Management“ wird auf eine Unterdisziplin des Managements von SW-Projekten oder des Managements von IT-Services verkürzt.

Die Begründung „Weil es halt IT- Frameworks sind“ halte ich für verfehlt, da IT zumindest in Unternehmen den Geschäftsinteressen nachgeordnet ist. Das Unternehmen muss sich ja durch den Verkauf von „etwas“ – also Produkten und/oder Services – finan­zieren. Selbst ein so SW-lastiges Unternehmen wie Google steht ja mit seinem Spektrum an IT-Angeboten nicht für menschenfreundliche Leistungen oder Fortschritt im Sinne eines evolutionären gesellschaftlichen Prozesses. Google steht primär für das Verdienen von Geld über klug platzierte „Produkte“. Dass sich dabei das eigentlich gewinnbringende Kern-Produkt, nämlich eine Werbeplattform mit perso­nen­bezo­genem Zuschnitt aufgrund eines stetigen Wissenerwerbs über Individuen, hinter mehreren, im Internet für jedermann zugänglichen Leistungen „versteckt“, ändert daran nichts.

Ich möchte an dieser Stelle auch Amazon als Beispiel anführen: Amazon hat von vornherein stark auf enorme Investitionen an Ressourcen in IT-Entwicklung gesetzt und dabei immer an der technologischen Front verteilter und virtualisierter IT-Systeme mitgemischt. Auch wenn das zunächst dazu führte, dass über Jahre nur rote Zahlen geschrieben wurden. Durch eine kluge Verschmelzung von IT- und Produkt-Management hat sich der ehemalige Bücherhändler systematisch zu einem global dominanten Logistik-Unternehmen und zu einem veritablen Konkurrenzunternehmen für Google im Bereich diverser IT-Angebote (Cloud-, Virtualisierungs-, Suchmaschinen-und Sprach-Dienste) entwickelt. Gerade das Beispiel Amazon zeigt:

Das Ziel moderner IT-Steuerung in einem Unternehmen muss primär in einer markt- und zielorientierten, engen Kooperation mit dem Produkt­management bestehen. Die gegenseitigen Anstrengungen müssen der rechtzeitigen Besetzung von Marktnischen durch intelligente Produktvarianten dienen, die Kunden einen hohen Mehrwert verschaffen.

Daraus ergeben sich dann offenbar neue Chancen auch jenseits des ursprünglich geplanten Produkts.

Wir sollten daher von vornherein Wert darauf legen, einen Release-Begriff zu finden, der dem Charakter innovativer Produkte als Konglomerat aus physikalischen und SW-Komponenten gerecht wird. Es geht mir also letztlich um Produkt-Releases und deren Management; SW-Releases sollten durch eine geeignete Begriffsdefinition automatisch mit erfasst werden.

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